Vereins-Archiv

Zum 70-jährigen Jubiläum unseres Vereins im Jahr 2009 haben wir einmal im Archiv gestöbert und einige interessante und lustige Geschichten ausgegraben Einige dieser Highlights möchten wir euch auf dieser Seite präsentieren.

Antike Fotogallerie

Wir haben in den alten Fotoalben gekramt und 70 Fotos aus der 70-jährigen Vereinsgeschichte hervorgekramt. Hier geht es zum Fotoalbum.

Gründung 1939

Unser Verein wurde im Jahr 1939 gegründet. Zu Beginn trug der Verein den Namen Hundesport Sensetal, Sektion der S.K.G.

Die Vorgeschichte des Vereins lässt sich wie folgt rekonstruieren: Der erste Präsident unseres Vereins, Ernst Schumacher (Kontrolleur aus Flamatt), war wahrscheinlich zuvor Mitglied der Ortsgruppe Bern des Schweizerischen Schäferhunde-Clubs. Am 27. März 1939 kam es zu einer Unterredung mit Vertretern der Ortsgruppe (OG). Diese wollten an der Gründungsversammlung unseres Vereins teilnehmen, um „dort wenigstens noch den Standpunkt des Rasse-Spezialklubs zu vertreten“. Zudem wollte die OG Schumacher zwei Übungsleiter zur Seite stellen, welche den Trainingsbetrieb anleiten sollten und so genannte „Dressurvorführungen“ durchführen sollten. Schumacher antwortete schriftlich auf die Forderungen der OG.

Heute wo wir eine S.K.G. Sektion ins Leben rufen wollen, dürfen wir es nicht verantworten eine Rasse zu bevorzugen. (…) Ich weiss, dass auch wir uns später auf den Schäferhund spezialisieren werden.

Diesen Worten liess Schumacher Taten folgen. Er gründete den Verein auf Grundlage der folgenden Statuten:

Das erste Logo unseres Vereins zeigt, dass der Schäferhund zu Beginn der Vereinsgeschichte im Mittelpunkt stand. Dies bezeugen auch die Fotos aus den Gründungsjahren, auf denen meist Schäferhunde abgebildet sind.

Mit Brief vom 17. April 1939 teilte der Zentralvorstand der SKG Schumacher das folgende mit:

Kriegszeit

Futterrationierung

Am 13. März 1941 erhielt unser Verein Post von der SKG. Das Kriegsernährungsamt stellte der SKG ein gewisses beschränktes Quantum Hundefutter zur Verfügung. Die Abgabe des Futters sollte via Lokalsektionen über Fachgeschäfte im jeweiligen Einzugsgebiet erfolgen. Der damalige Präsident E. Schumacher schlug die Drogerie Bigler in Neuenegg als Abgabestelle vor und vermerkte in seinem Antwortbrief:

„Da wir heute schon grosse Schwirigkeiten haben mit dem Hundefutter, wäre ich Jhnen dankbar wenn diese Angelegenheit bald erledigt würde.“

15 Hunde sollten gemäss Schumacher in den Genuss des rationierten Hundefutters kommen.

Auch Unternehmen wollten von der Not der Hundebesitzer profitieren. So pries 1943 die Mühle Wetzikon ein Futterzusatzmittel mit den folgenden Worten an:

„Haben Sie genügend Futter für Ihren Hund? Wenn nicht, hilft das zeitgemässe Zusatzfutter „Vitossan-H“ für Hunde. (…)“

Kriegsdienst

Mindestens sechs Mitglieder des KVS waren im Kriegshundedienst. Die geeigneten Mitglieder wurden vom Präsidenten per Formular für den Kriegshundedienst gemeldet. Am 31. März 1940 schrieb der damalige Präsident an einen gewissen Hauptmann Steiner:

"Jndem ich hoffe unserem Vaterland sechs Mitglieder des Hundesport Sensetal durch den Kriegshundedienst zuführen zu dürfen die gewillt sind ihr Aeusserstes herzugeben.“

Fallschirmsprung mit Folgen

Am 29. Juli 1952 fand in Schmitten eine so genannte Flugveranstaltung statt. Als besondere Attraktion wurden Schäferhunde an Fallschirmen aus Flugzeugen geworfen. Auch der KVS war an diesem Anlass auf fragwürdige Weise beteiligt: Mehrere KVS-Hundeführer stellten nämlich Ihre Hunde für diese Fallschirmsprünge zur Verfügung.

Der Anlass war ein grosser Erfolg und fand grosse Beachtung in den Medien: Verschiedene schweizerische Zeitungen veröffentlichten Bilder, welche zeigten wie ein Schäferhund an einem Fallschirm aus dem Flugzeug geworfen wurde.

Den Fallschirmsprung nahmen der KV Berna (dem der KVS übrigens 1944 beigetreten war) und der Tierschutzverein Bern zum Anlass, um im Hundesport vom 17. August 1951 (offizielles Organ der SKG) unter dem Titel „Lawinenhund als Fallschirmspringer“ einen offenen Brief zu veröffentlichen, in dem Sie den KVS stark kritisierten. Hier einige Auszüge aus dem Brief:

Um dieses tierquälerische Schaustük zu tarnen, wurde die Sache so dargestellt, als ob es sich um seriöse Versuche irgendeiner beauftragten Stelle handle. Von den schrekerfüllten Momenten welche das arme Tier erlebte, als man es gewaltsam, unvorbereitet und unträniert aus dem Flugzeug in die Tiefe warf, hat man wohlweislich geschwiegen. Das Verwerfliche und Zwecklosigkeit solcher nur auf Sensation und Nervenkitzel ausgerichteter Demonstration kann nicht scharf genug verurteilt werden und dürfen sich bei uns in der Schweiz nicht mehr wiederholen. wie aus nachfolgendem Brief, welcher rechtzeitig in den Händen der Veranstalter gelangt war, hervorgeht, distanzieren sich dem dem Chef des Lawinenhundedienstes des SAC der Tierschutzverein des Kantons Bern und der Kynologische Verein Berna von solchen unseriösen Experimenten.

Besagter Protestbrief an die Adresse des KVS wurde als Express-Sendung jedoch erst am Vorabend, dem 28. Juli 2009 abgeschickt und traf erst nach der Veranstaltung beim KVS-Präsidenten ein. Im Brief fand man deutliche Worte für die Praktiken des KVS. Hier ein kleiner Original-Auszug:

Der Brief traf jedoch, gemäss KVS-Präsident Schweingruber erst kurz vor dem Anlass beim KVS ein. Schweingruber verteidigte sich damit, dass „ Also alles schon vorbereitet war. In diesem fall hätten sich die Herren von der Berna und dem Tierschutzverein, mit uns früher in Verbindung setzen können.“

Das Verhältnis zum KV Berna wurde durch diesen Anlass noch weiter getrübt. Bereits beim Beitritt des KVS zum KV Berna im Jahr 1944 war es zu Streitigkeiten gekommen. Hierzu werdet ihr aber zu einem späteren Zeitpunkt noch etwas auf dieser Seite lesen können.


Vorstands- und Ehrenmitglieder des KV Berna (1949)

Krisen & Skandale

Wer glaubt, dass es in unserem Verein stets harmonisch und friedlich zu und her ging, der täuscht sich gewaltig. Im Archiv finden sich viele Hinweise, dass kleine Krisen und Skandale immer mal wieder vorgekommen sind. Hier eine kleine Auswahl mit den spannendsten Geschichten.

Erwin T. war der erste Sekretär der Vereinsgeschichte. Er wurde 1940 aus dem KVS ausgeschlossen. Hier ein Auszug aus dem Briefwechsel zwischen Erwin und dem damaligen Präsidenten.

Ernst Schumacher schreibt:

Grund dieses Entschluss war ihr Benehmen am Gartenfest vom 30. Juli 1939 , sowie ihr Verhalten gegenüber Vorstandsmitgliedern, (…) Machen Sie darauf aufmerksam, falls Sie unseren Verein in irgend einer Weise schädigen oder Belästigen würden, wir Sie dem Richter überweisen werden.

Erwin T. antwortet:

(…) Es tut mir sehr leid, dass Sie mir wegen dem Benehmen das Ihren werten Präsident betrifft mir in die Schuhe schieben wollen so sind Sie heute auf dem Punkt angelangt wo mann Sie heute nicht als Schweizerbrüger ansprechen kann da mann es in dieser schweren Zeit nicht nötig hat sich seine Fehlern andern zuzuschieben. Werde mir ja wegen Ihrem flotten Verein keine graue Haare wachsen lassen, im Gegenteil es war mein Weihnachtswunsch wie ich ihn mir nicht grösser vorstellen konnte.

1949 folgte der Ausschluss von Kassier Rudolf G. aus Bümpliz. Rudolf hatte 1947 einem KVS-Mitglied einen Hund geschenkt. Ein Jahr später verlangte er für diesen Hund vom neuen Besitzer einen Betrag von CHF 170.-. Dieser weigerte sich zu zahlen. Man traf sich vor dem Ehrengericht. Zudem war Rudolf ein äusserst unzuverlässiger Kassier. Viele Rechnungen wurden nicht bezahlt und es gingen regelmässig Mahnungen ein. Der Vorstand verlangte eine ausserordentliche Kassenrevision.

Die unliebsamen Folgen, die durch Ihre absolut nachlässige & unverantwortliche Kassenführung, unserm Verein entstanden sind, nötigen uns Sie aufzufordern, (…) zur Vorstandssitzung zu erscheinen. (…) machen Sie darauf aufmerksam, dass wir Sie für den bis heute entstandenen & weiteren Schaden dem Verein gegenüber haftbar machen müssen.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich im Jahr 1950. Per Brief vom 12. Juli worin der Präsident einem gewissen Felix G. aus Ueberstorf mitteilt:

...wonach uns Ihres unkynologischen Verhaltens wegen Klagen zugegangen sind. Wir sind gezwungen Ihnen einen ernsthaften Verweis zu erteilen.(…) Bei nochmaligen Klagen müssten wir Sie leider aus der Mitgliederliste unseres Vereins streichen.

Im selben Jahr wurde auch Alfons W. aus Ueberstorf verwarnt:

(…) Danach müssen wir Ihnen leider den ernsthaften Verweis erteilen, da Sie sich anlässlich der Rauferei in der Herrenmatt sehr unwürdig verhalten haben.(…)

Eine äusserst seltsame Geschichte führte dazu, dass der Präsident Adolf Roos 1951 das Handtuch warf und beinahe fluchtartig das Weite suchte. Aber lest selbst:

Dressurkleid

Bereits 1942 war unser Verein auf der Suche nach einem neuen so genannten „Dressurkleid“ (Piqueur-Schutzanzug) für den Übungbetrieb. Mehrere Offerten-Anfragen blieben erfolglos.

1944 fragte der Verein die Kantonale Strafanstalt Thorberg an. Die Strafanstalt wäre zwar in der Lage gewesen, den gewünschten Schutzanzug herzustellen, jedoch fehlte der Anstalt der benötigte Sackstoff. Der Preis für den Anzug hätte CHF 95.- und 6.5 Coupons betragen. Eine stattliche Summe für die damalige Zeit.

Durch einen lustigen Zufall kam der Verein dann über Umwege doch noch zu einem Piqueur-Schutzanzug. Julius Streuli aus Fribourg war im März 1944 auf dem Bramberg mit seinem Auto unterwegs. Auf dieser Fahrt wurde er von einem Polizisten angehalten, welcher zufällig auch Mitglied unseres Vereins war. Aber lest selbst:...

Der Schutzanzug konnte schliesslich im September 1945 in der kantonalen Strafanstalt Thorberg in Auftrag gegeben werden. Somit hatte der Kauf insgesamt rund vier Jahre gedauert.

Bunter Abend

Der KVS hat in seiner langen Geschichte bereits zahlreiche Anlässe durchgeführt. In den Anfängen besonders beliebt waren die so genannten Bunten Abende. Diese fanden in den 40er- und 50er Jahren regelmässig statt. Das Programm war dabei jeweils äusserst kreativ gestaltet. Hier ein kleiner Auszug aus dem Jahr 1952:

Besonders interssant ist, dass der KVS bereits in den 50er Jahren eine Art Jugend + Hund etabliert hat. Davon zeugt die "Dressur Vorführung Kind und Hund".

Bevorzugter Musikstil war damals übrigens die Volksmusik. Die musikalischen Mitwirkenden im Jahr 1952 waren: Jodler-Doppelquartett Dählhölzli, Solo-Jodler Werner Zwahlen, Handorgel-Duett Neuenschwander-Miescher und die Kapelle "Stadt-Mutze".

Für die CHF 2.50 Eintrittspreis wurde den Besuchern damit so einiges geboten...